Coda/CODA - was ist das?

Coda ist die Abkürzung für Children of deaf adults. Auf Deutsch heißt das: Kinder von gehörlosen Eltern. Ein Coda ist also ein hörendes Kind von gehörlosen Eltern. Gehörlose Kinder von gehörlosen Eltern werden deaf Codas genannt.

CODA ist eine internationale Organisation für die hörenden Kinder von gehörlosen Eltern.

Gehörlose haben meist auch einen gehörlosen Partner. Wenn nun zwei Gehörlose Kinder bekommen, sind die Kinder nicht automatisch gehörlos – im Gegenteil, nur eines von zehn Kindern, ist durch Vererbung gehörlos. Gehörlose haben also meist hörende Kinder!

Gehörlose Eltern sprechen mit ihrem Kind (meist) in Gebärdensprache. Gebärdensprache ist für ein Coda-Kind also die Muttersprache. Wenn das Kind z.B. hörende Großeltern oder Geschwister hat, wird es schnell verstehen, mit wem es sprechen und mit wem es gebärden soll. Das Kind wird die Lautsprache so ebenfalls lernen. Es wächst dann bilingual, also mit zwei Sprachen, auf.

Nicht alle gehörlosen Familien haben Kontakt zu Hörenden. Coda-Kinder aus diesen Familien brauchen Frühförderung um die Lautsprache zu lernen. Die Frühförderin kommt zwei Mal in der Woche in die Familie und macht spezielle Übungen mit dem Kind, um die Sprachentwicklung zu fördern. Spätestens wenn das Kind in den Kindergarten kommt, wird es verstehen, dass es mit Hörenden sprechen soll, da sie Gebärden nicht verstehen und umgekehrt, mit Gehörlosen gebärden.

Lebt man mit gehörlosen Eltern in einer anderen Welt?

„Man lebt in einer anderen Welt, weiß aber nicht warum sie so irre unterschiedlich ist. Als Kind kann man nicht greifen, was genau anders ist – aber man merkt, dass man selbst anders ist und die Familie auch anders ist. Das ist vielleicht bei Codas von heute manchmal anders.“ (Sabine Goßner, Coda)

Wie sieht, deiner Erfahrung nach, die Kommunikation gehörloser Eltern mit den hörenden Kindern aus?

„Wenn ich auf die letzten 20 Jahre zurückblicke (18 Jahre bin ich selbst in der Frühförderung tätig), dann ist eine Tendenz dahingehend erkennbar, dass die Gruppe der selbstbewussten Eltern zunimmt.“ (Wiebke Gericke, Frühförderin)

Da Codas sowohl sie Gebärdensprache als auch die Lautsprache sprechen können, mussten sie früher oft für ihre Eltern dolmetschen. Dank professioneller Dolmetscher und technischer Hilfsmittel, wie z.B. E-Mail, Handy, Chat oder gehörlosen Telefondienst, ist es heute nicht mehr nötig, dass Coda-Kinder die Aufgabe des Dolmetschers in der Familie übernehmen. Das ist natürlich eine Erleichterung für die Kinder.

Codas wachsen in zwei unterschiedlichen Kulturen und Welten auf, die sich sehr voneinander unterscheiden. In der Gehörlosengemeinschaft wird in Gebärdensprache kommuniziert. Es gelten dort andere soziale und kulturelle Normen, als in der Welt der Hörenden. Dieser soziale und kulturelle Hintergrund ist der Öffentlichkeit leider nicht oder oft zu wenig bekannt.

Was findest du sonst noch wichtig?

Codas leben in einer anderen Welt mit ihrer eigenen Kultur. Sie werden natürlich davon geprägt.

Coda-Kinder werden oft von Lehrern und Erziehern als verhaltensauffällig oder schwer zu erziehen „abgestempelt“ – dabei leben sie nur die Werte der anderen Kultur. Codas sind meist mehr visuell orientiert und schauen mehr durch den Raum, vielleicht bewegen sie sich auch mehr durch den Raum – um z.B. ein anderes Kind anzutippen, wenn es etwas von ihm möchte. Dies ist nicht nur im Kleinkindalter so, sondern kann weit darüber hinaus gehen.

Diese Eigenheiten werden von hörenden Menschen oft nicht richtig zugeordnet. Türkische Kinder – als Beispiel – sehen oft auch etwas türkisch aus und Lehrer und Erzieher gestehen ihnen zu, sich „anders“ zu Verhalten, da sie aus einem anderen Land kommen und aus einer anderen Kultur. Codas sehen meist Deutsch aus und hören auch – ja, sie haben behinderte Eltern – aber dass auch sie einen anderen kulturellen Hintergrund mitbringen wird oft vergessen.

Mir ist wichtig, dass in diesem Bereich Aufklärung stattfindet. (Sabine Goßner, Coda)

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